1. Rostender Kapitalismus

    "Während das Durchschnittsgehalt in den USA 1978 noch bei einem aktuellen Gegenwert von 48.000 Dollar lag, ist es seitdem auf kaufkraftbereinigte 34.000 Dollar gesunken. Dagegen ist das durchschnittliche Einkommen des reichsten Prozents der US-Haushalte seit 1978 von 393.000 Dollar auf 1,1 Millionen Dollar gestiegen. In den letzten fünf Jahren hat dieses einkommensstärkste Prozent der US-Bevölkerung 90 Prozent des wirtschaftlichen Wachstums abgeschöpft." (aus: Kostas Vergopoulos: Der rostende Kapitalismus, Le Monde diplomatique, März 2014).

  2. World being intransparent today…

    World being intransparent today…

  3. Aldi hat seinem Prospekt durchgehend geschlechtlich markiert. Nicht dass ein Junge aus Versehen die hellblaue Jacke will!

    Aldi hat seinem Prospekt durchgehend geschlechtlich markiert. Nicht dass ein Junge aus Versehen die hellblaue Jacke will!

  4. Fappst du dir einen?

    Es war abzusehen, dass mein gestriger Blogpost über Sexismus und Regen doch einige Debatten über die „Fakten“ nach sich ziehen würde. Deshalb noch dazu kurz ein paar Worte, aber hier, weil ich keine Lust habe, darüber zu diskutieren.

    Auch dabei ist das Argumentationsmuster eigentlich eine olle Kamelle: Wenn eine Frau mit Sexismus übergossen wird, ist sie bestimmt selber dran schuld. In dem Fall: Sie hat einen Tweet geschickt mit der Frage: „Fappst du dir darauf einen?“

    Ich gebe zu, ich musste erstmal googeln, was das heißt, aber es heißt so viel wie „Holst du dir darauf einen runter?“

    Der Satz ist also eine Meta-Bemerkung in einer Diskussion. Sie behauptet, dass in einer laufenden Debatte sexistische Muster im Spiel sind und verweist den Angesprochen auf seine Rolle als jemand, der grade dabei ist, männliche Privilegien auszuspielen.

    Das tut der Satz nicht gerade in vornehmem Vokabular und auch nicht in freundlichem Tonfall, aber auch Frauen sind, kleine Serviceinfo, halt nicht immer vornehm und freundlich.

    Jedenfalls: Dieser Tweet ist ein Sexismus-Vorwurf und kein Sexismus, nur um das mal festzuhalten. Weil es ja viele Leute gibt, die das eine und das andere ständig miteinander verwechseln.

    Aber kann man sich denn gegen Sexismusvorwürfe gar nicht mehr wehren heutzutage?

    Doch klar, kann man. Wenn man das aber tut, indem man nun in voller Breite sexistische Mechanismen bedient, nun, wo man ja wohl das gute Recht dazu hat, weil die Frau doch selber die Sexisitin ist und sie hat ja damit angefangen! – sorry, dann ist das nicht besonders glaubwürdig sondern eher q.e.d.

    Noch mehr ist mir aufgefallen, und zwar die Empfindlichkeit, mit der viele Männer darauf reagieren, wenn mal jemand (und speziell: eine Frau) nicht freundlich genug zu ihnen ist.

    Auf meiner Facebookseite hat sich einer mit großem Pathos und unter Androhung rechtlicher Schritte empört, weil eine Frau ihn “Honk” genannt hat. Also, wenn mich jemand “Honk” nennt, wackel ich nicht mal müde mit dem kleinen Fußzeh, das ist ja fast schon liebevoll im Vergleich zu all dem Zeug, das mir sonst so an den Kopf geschmissen wird.

    Andere fordern dazu auf, Verleumdungsklagen einzureichen gegen all diese feministischen Faktenverdreherinnen und Ehrabschneiderinnen. Aha. Das haben Bloggerinnen bekanntlich ja schon bei Mord- und Vergewaltigungsdrohungen versucht. Spoiler: Ohne Erfolg. 

    But those men are so confident, the system is on their side. And rightly so, i fear.

  5. Herr Martenstein und alle, die ihn liken, irren schon wieder

    Gerade geht wieder mal so ein Martenstein-Ding durch Facebook und bekommt Tausende von Likes, und daher Erklärbäre ich das hier nochmal gerne:

    Nein, das ist nicht logisch, natürlich sind “Cola” und “Limo” gesellschaftliche Konstrukte, weil wir beschlossen haben, zwischen ihnen zu unterscheiden, was nicht naturnotwendig ist. Zum Beispiel in Brasilien gibt es nur “Erfrischungsgetränk” und die Leute unterscheiden normalerweise NICHT zwischen Cola und Limo, d.h. die Leute reden normalerweise von “Refrigerante” und wenn du ein spezielles davon unbedingt haben willst und das andere nicht (also Cola ja, Limo nein), reagieren sie oft etwas erstaunt. Wir handhaben das so ähnlich mit “Rotwein”, wo niemand sich etwas dabei denkt, Bordeaux anzubieten, wenn kein Chianti da ist, und man es extra betonen muss. Was Martenstein einfach partout nicht verstehen will, und wo er das, was er polemisch “Genderfrauen” nennt, notorisch falsch darstellt ist, dass zu sagen, etwas sei ein gesellschaftliches Konstrukt NICHT bedeutet, dass es das real nicht gibt. Natürlich gibt es Männer und Frauen und keine noch so queere Feministin würde das ernsthaft bestreiten.

  6. Burkaverbot

    Beim Frühstück darüber diskutiert, ob man ein Burkaverbot vielleicht unter der Rechtsidee “Erregung öffentlichen Ärgernisses” diskutieren könnte, dann wäre eine Frau mit Burka in etwa parallel zu sehen mit jemandem, der_die nackt durch die Gegend läuft. 

    Es hat imho durchaus eine gewisse Plausibilität, dass der Staat verhindert, dass einzelne Menschen den Mainstream extrem provozieren. Gleichzeitig ist genau dieses Konstrukt des “öffentlichen Ärgernisses” klar repressiv, es liegt also dabei offen zutage, dass es um einen Konflikt zwischen Mehrheit und Minderheit geht, der hier (ausnahmsweise, weil sonst Auseinandersetzungen unter Bürger_innen drohen könnten) zugunsten der Mehrheit entschieden wird. 

    Es wäre also klar, dass die Ursache des Burkaverbots nicht allein auf Seiten der Burkaträgerinnen, sondern in der relativen Interaktion zwischen ihnen und der Mehrheitsgesellschaft liegen. Analog zum Minirock in den 1950ern. Und es hätte den Vorteil, dass es kein eigenes “Burkagesetz” wäre, sondern eines, das Verhalten, das der Mainstream als provokativ empfindet (was nicht bedeuten muss, dass es provokativ gemeint ist) generell verhandelt.

  7. Zeitdokument: Happy WM an alle Männer

    Diesen Text las ich gerade auf der Facebook-Seite eines lokalen Fußball-Vereins, und mir scheint, sie ist dokumentierenswert. Auch als Quelle, wenn später einmal jemand die Genderkonstruktionen des 21. Jahrhunderts untersuchen will.

    Guten morgen liebe Fussball verrückten. Heute ist es soweit, die WM fängt an und somit gewinnt die Männlichkeit die Oberhand. Selbst die eigene Ehefrau montiert zum Mann, wenn sie es vorher schon nicht wahr. Auf der Arbeit akzeptiert der Chef dicke fette Augenringe, da er zu voll ist um dies zu erkennen und bis in den Morgenstunden wird Party gemacht, und das so laut das die Omis und Opis ihre Telefone zum qualmen bringen bei dem Versuch die Polizei zu erreichen, leider aber ist die Polizei damit beschäftigt die U inhaftierten bei wetten um ihr Geld zu erleichtern. Kurz und schmerzlos AB HEUTE IST FÜR DIE NÄCHSTEN WOCHEN VATERTAG, MÄNNERTAG usw.

    Dies ist die einzige Zeit wo Männer zu 100% das sagen haben.

    Happy WM an alle Männer!!!!

    https://www.facebook.com/TMFD1/photos/a.1496697550562676.1073741826.1496692417229856/1497611390471292/?type=1

  8. Rosa Luxemburg über Internationale Staaten-Bündnisse

    Es ist “eine gefährliche Illusion, dass irgendwelche diplomatischen Bündnisse Garantien des Friedens sein können. Alle Bündnisse haben nur den Zweck, irgendeinen Außenstehenden desto besser abmurksen zu können. Wenn wir Klarheit schaffen wollen, müssen wir betonen, dass keine Bündnisse der kapitalistischen Staaten imstande sind oder auch nur den Zweck haben, den Frieden zu sichern” (Rosa Luxemburg, Mai 1914, zit. von Anke Hoffstadt in einem Interview mit “Wir Frauen” 2/2014)

  9. Nicht lustig, mey

    Nicht lustig, mey

  10. Neuestes Prachtstück aus meiner Sammlung Sexistische Werbung (diesmal gänzlich ohne Ironie) 

    Neuestes Prachtstück aus meiner Sammlung Sexistische Werbung (diesmal gänzlich ohne Ironie) 

  11. Francis Bacon: “The Masculine Birth of Time”

    Einer der Begründer des neuen Weltbildes war Francis Bacon (1561-1626), welcher als ‘Vater’ der modernen Naturwissenschaft gilt. Er reflektierte die Veränderungen selber als “masculine birth of time” (zit. nach McClintock 1995:23). Bacon beschrieb Materie häufig mit Bildern des Weiblichen, etwa als “eine allgemeine Coquette und im Grunde Hure”. Er meinte, da “die Materie der Neigung und des Strebens nach der Auflösung der Welt und ihrem Rückfall in jenes alte Chaos”  nicht ermangele, müsse sie “in der Ordnung gehalten werden”. Die Bilder, die Bacon benutzte, um seine wissenschaftlichen Methoden zu umreißen, versinnblidlichten die Natur als eine Frau, die mit mechanischen Vorrichtungen gefoltert werden muss, um ihr ihre Geheimnisse entreißen zu können. Der Mann der neuen Wissenschaft solle nicht glauben, so Bacon, dass das Verhör der Natur etwas Unerlaubtes oder Verbotenes sei; die Natur müsse durch die Mechanik bezwungen werden, denn die Erforscher der Natur hätten die Aufgabe, ihre Geheimnisse auszukundschaften. “I come in very truth”, verkündete er, “leading to you Nature with all her children to bind her to your service and make her your slave.” (zit nach McClintock 1995:23). Mit diesem Bild verbunden war die Vision weltumfassender Herrschaft: Sein einziger Wunsch auf Erden sei, so Bacon, “to stretch the deplorably narrow limits of man’s dominion over the universe to their promised bounds”.

    (aus: Friederike Habermann: Der homo oeconomicus und das Andere, Nomos2008, S. 186)

  12. Ich kenne keine solchen Frauen

    Auszug aus dem neuen Buch “Mutprobe” von Bascha Mika:

    „Beatrice liebte es, wenn sie einen Raum betrat und alle Blicke ihr folgten. Sie war attraktiv und wusste es. Und doch spielte sie das Spiel um Anerkennung immer wieder neu, nichts war spannender.“ Man ahnt, wie es ausgeht: Irgendwann wird Bea von ihrem Mann verlassen. Der „packte die wichtigsten Sachen und zog zu seiner 15 Jahre jüngeren Freundin.“

    Tja, liebe Bea, möchte ich ihr zurufen, wer auf Männer steht, die Frauen anhand von Arsch und Titten beurteilen, muss sich nicht wundern, wenn sie als Fünfzigjährige einen Mann hat, der Frauen anhand von Arsch und Titten beurteilt. Kleiner Pro-Tipp: Es gibt auch andere.

  13. Essentials.

    Essentials.

  14. Weihnachtsbaum auf Kreuzung.  (hier: Centro de Manaus)

    Weihnachtsbaum auf Kreuzung. (hier: Centro de Manaus)

  15. Warum geht das bei uns nicht so einfach? (hier: Centro de Manaus)

    Warum geht das bei uns nicht so einfach? (hier: Centro de Manaus)