Nachdem ich gestern meine 15 Thesen zu Feminismus und Postgender geschrieben hatte, fuhr ich, wie ihr ja alle wisst, auf’s Land zu einer Party. Dabei erzählte mir die Gastgeberin eine schöne Geschichte, die das Problem mit der Sich-zur-Normsetzung des Männlichen wunderbar illustriert (was mir heute abend erst so richtig aufgefallen ist, manche Synapsen funktionieren eben erst mit etwas Zeitverzögerung).
Die Geschichte ging so. Ich beschwerte mich, dass es nicht mein Lieblingsbier gab, das dort nämlich ganz um die Ecke gebraut wird (ich stamme ursprünglich auch vom Land), sondern Warsteiner. Naja, und für mich gab’s dann auch noch Warsteiner alkoholfrei. Den Schlamassel hatten wir dem Getränkehändler zu verdanken. Der habe nämlich gesagt, als besagte Gastgeberin Warsteiner kaufen wollte: “Aber das ist doch ein Frauenbier!” (was bei ihr wohl eine Trotzreaktion auslöste, denn schließlich ist sie ja eine Frau und wollte sich solidarisch mit ihrem Geschlecht zeigen).
Über den blöden Spruch vom Frauenbier haben wir uns natürlich gleich an Ort und Stelle kaputtgelacht. Aber, und das wurde mir eben erst klar, der eigentliche Hammer ist natürlich ein ganz anderer: Nämlich dass dieser Getränkehändler diesen Spruch ja ZU EINER FRAU sagte. Also zu einer, die damit eben ja genau umso mehr Grund gehabt hätte, genau dieses Bier zu kaufen! Aber natürlich wollte er gerade NICHT sagen: Wunderbar, ein Frauenbier, das passt ja ganz genau zu Ihnen. Sondern er wollte sagen: Vorsicht, Frauenbier! Also gar kein RICHTIGES Bier!
Soweit also ein Beispiel aus dem prallen Leben für alle, denen die Thesen vielleicht zu theoretisch sind.