“Auch dass so viel Scheiße bei einer Geburt rausgedrückt werden kann, verkraften viele Männer nicht. Die Kombination von Scheiße und Neugeborenem sagt doch sehr viel aus über den Menschen an sich. Dass die beiden Löcher so nah beieinander sind, das ist doch der Beweis, dass es keinen Gott gibt, der hätte die doch so weit wie möglich voneinander weg gemacht, eins am Fuß und eins am Kopf!” (Charlotte Roche, Schoßgebete, S. 102)
“Darum hat fast die Gesamtheit der politischen Meinungen und der Diskussionen, in denen sie aufeinanderprallen, mit der Politik ebensowenig zu tun, wie die Auseinandersetzungen über ästhetische Ansichten in den Schenken von Montparnasse mit der Kunst zu tun haben. Der Politiker wie der Künstler können darin höchstens ein gewisses Stimulans finden, das nur in schwacher Dosis gebraucht werden sollte.
Man betrachtet die Politik fast niemals als eine Kunst von derart erhabener Art. Das kommt jedoch daher, dass man sich seit Jahrhunderten gewöhnt hat, ausschließlich oder jedenfalls in der Hauptsache eine Technik in ihr zu sehen, wie man die Macht erwirbt und festhält.
Die Macht aber ist kein Zweck. Ihrer Natur, ihrem Wesen, ihrer Definition nach stellt sie ausschließlich ein Mittel dar. Sie verhält sich zur Politik wie ein Klavier zur musikalischen Komposition. Ein Komponist, der zur Erfindung seiner Melodien eines Klaviers bedarf, ist übel daran, wenn er sich in einem Dorf befindet, wo keines aufzutreiben ist. Verschafft man ihm aber eines, so muss er sich nun ans Komponieren machen.
Wir Unglückseligen haben die Herstellung eines Klaviers mit der Komposition einer Sonate verwechselt.”
(Simone Weil, Die Einwurzelung, Kösel 1956, S. 318f)
(Der Bauer) “verdingt sich als Eisenbahner, und seine Kost ist Grütze und ein Pfund Fleisch täglich. Aber er verdaut auch dieses Fleisch in sechzehnstündiger Arbeit hinter einem Karren von dreißig Pud, und gedeiht dabei. Und wir? Wir verzehren zwei Pfund Fleisch, Wild, Fische und allerhand warme Speisen und Getränke - wie wird unser Körper damit fertig? In sinnlosen Ausschreitungen. Wird das Sicherheitsventil nach dieser Richtung geöffnet, so ist alles in Ordnung, schließt man aber das Sicherheitsventil, wie ich es zuzeiten getan habe, so tritt sofort ein Gärungsprozeß ein, der sich durch das Prisma unseres unnatürlichen Lebens verwandelt und so als Verliebtheit vom reinsten Wasser in Erscheinung tritt, manchmal sogar als eine platonische. Auch ich verliebte mich, wie sich alle verlieben.” (Die Kreutzersonate)